Es war einmal eine Krähe Namens Pino. Er lebte friedlich im tiefen Wald, als eines Tages ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge auftauchten. Sie weinten und hielten sich ängstlich an der Hand. Pino flog über ihren Köpfen und machte sich ein genaueres Bild von der Lage. Die Kinder sprachen zitternd miteinander.
Pino landete vor den Kindern und fragte: “Was macht ihr zwei kleinen Kinder denn ganz allein im dunklen Wald?” Das Mädchen riss den Mund staunend auf. Der kleine Junge schaute verdattert rein und sprach wimmernd: “Du-du kannst r-reden? Wieso bist du denn so groß?” Die Krähe nickte. “Ich bin eine Zauberkrähe. Ich bin eine der wenigen auf der ganzen Welt. Alle weißen Krähen sind Zauberkrähen.” Die kleinen Kinder staunten und hatten dabei ihre ganze Angst vergessen.
Pino fragte neugierig: “Was macht ihr zwei denn nun allein im Wald?” Das kleine Mädchen antwortete traurig: “Wir haben uns verlaufen. Unsere Mutter sagte wir sollen nicht den Wald betreten, doch wir waren neugierig.” Der kleine Junge nickte. “Wie heißt ihr beiden denn? Ich kann euch raushelfen,” meint Pino. Die Kinder antworteten: “Mia und Theo.” Die Krähe nickte und sagte: “Ich bin Pino. Ich kann euch an verschiedene Orte bringen, wenn ihr sie mir beschreibt. Wenn ich nicht die richtigen oder genug Informationen habe, kann es sein, dass ich euch an falsche Orte bringe.” Die Kinder nickten und fingen an zu beschreiben, wo sie wohnten.
Der erste Ort war ein verlassenes Dorf in der Wüste. Mia sagte: “Unser zuhause ist schöner und höher!” Pino nickte und sagte: “Steigt auf, das geht schneller!” Die Kinder stiegen auf seinen Rücken und hielten sich an seinen Federn fest. Pino flog in die Luft in Richtung Norden.
Der zweite Ort war eine moderne Stadt am Meer. Die Kinder staunten, doch Theo schüttelte den Kopf: “Unser Zuhause ist grüner und kleiner. Da gibt es kein Meer.” Sie flogen in die Luft und die weiße Krähe meinte: “Ich mag Städte nicht. Sie sind zu groß und laut.” Die Geschwister stimmten ihm zu.
Der dritte Ort war ein kleines Dorf in einem Dschungel. Plötzlich tauchte eine große Schlange auf und zischte: “Wer mein Territorium betritt, kommt nicht mehr lebend hinaus!” Die Kinder schrien und Pino rief ihnen zu, dass sie auf seinen Rücken springen sollen. Die drei entkamen knapp. In der Luft sagte Mia: “Unser Zuhause ist nicht so gefährlich und nicht zwischen Bäumen.”
Als sie am vierten Ort ankamen und die Kinder meinten, dass dies nicht ihr Zuhause war, war die weiße Krähe schon erschöpft und sagte: “Ich bin müde und muss mich ausruhen. Ich bringe euch in mein Nest und dann essen und schlafen wir. Morgen können wir wieder los.
Nicht viel Zeit verging, als die Krähe in einem Baum landete. Pinos Nest war ungewöhnlich groß, aber da er eine große Krähe war, machten sich die Kinder keine Sorgen. Sie legten sich ins Nest und warteten darauf, dass Pino mit Essen zurückkommen würde.
Bald schon kam er mit Blau- und Himbeeren zurück und legte sie ins Nest. Hungrig stürzten sich die Kinder auf die Beeren, nachdem sie sich bedankt hatten. Pino schaute ihnen amüsiert zu und sagte: “Legt euch zu mir, damit ihr in der Nacht nicht friert.” Mia legte sich an seinen Flügel und Theo gesellte sich zu ihr. Bald schon schliefen sie ein und träumten von großen, weißen Zaubervögel.
Am nächsten Morgen machten sie sich früh auf und suchten verzweifelt nach dem Zuhause der kleinen Kinder. Mia weinte schonwieder, weil sie nach Hause wollte. Theo beruhigte sie und sagte: “Habe Hoffnung. Die Krähe wird uns nach Hause bringen.”
Der erste Ort, an diesem Tag, war ein kleines Dorf in einer Senke. Es war ruhig, doch noch immer nicht das Richtige. “Unser Zuhause ist höher. Ganz nah an der Sonne.”
Nach mehreren Stunden kamen sie in einem kleinen, friedlichen Dorf auf einem Berg an. Glücklich und erstaunt sagte Mia: “Das ist es! Hier wohnen wir!” Die Krähe war erleichtert. Pino landete auf einer freien Wiese und Theo rief: “Mama! Wir sind wieder da!” Eine Frau lief den beiden entgegen und nahm sie auf den Arm. “Mama! Mama! Wir haben uns im Wald verlaufen und die weiße Zauberkrähe hat uns geholfen wieder hierhin zukommen. Die Mutter weinte erleichtert und schaute auf die Krähe. Sie lächelte und kniete sich vor ihn. “Wie heißt du?”, fragte sie neugierig. “Mein Name ist Pino. Ich bin eine Zauberkrähe”, antwortete er. “Danke Pino. Ohne dich hätte ich meine Kinder womöglich nie wieder gesehen”, redete sie. “Es war mir eine Freude ihnen helfen zu können”, sagte Pino. Die Kinder kamen zu ihm und fragten: “Willst du nicht bei uns bleiben? Du bist so lieb und wir wollen nicht, dass du gehst.” Er legte den Kopf schief und sagte traurig: “Mein Zuhause ist im Wald. Ich muss dorthin zurück und ihn zu beschützen.” Traurig schaute Mia ihn an und sagte verständnisvoll: “Okay, ich werde dich vermissen.” “Und ich dich auch!”, fügte Theo hinzu. Sie umarmten Pino und verabschiedeten sich. Während er wegflog, rief er ihnen zu: “Verlauft euch nicht nochmal. Ich komme euch besuchen, meine Freunde.” Die Kinder winkten ihm hinterher, bis er nicht mehr zu sehen war und wenn sie noch nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
