Endlich wurde der Alte Schwan zum ältesten des Flusses. Das hieß, dass er jetzt der Herrscher war des grünen Flusses der Schwäne. Dieser Fluss gehörte nur den majestätischen Wesen, denn es fuhren selten Schiffe, Boote oder sonstiges hindurch. Eines Tages, als der alte Schwan, wie bei mittlerweile jedem Sonnenaufgang, durchquerte er seinen strömenden Pfad, um jeden zu begrüßen.
Eines Tages, nach ungefähr zweieinhalb Wochen, konnte der alte Schwan eine Veränderung sehen. Das Spiegelbild des einzigen Paares zeigte, dass sie nicht mehr allein waren. Zwischen ihnen schob sich ein Junges hindurch, zierlich und neugierig, wie von Licht umgeben. Er gratulierte ihnen, doch die Antwort bekam er vom Kleinen: “Nach dem Ende, kommt der Anfang.”
Die jungen Äuglein funkelten leicht auf.
Meinte es etwa seine Eltern?
Der Alte glitt weiter, ganz bis zur Schleuse und wieder zurück zu seinem Nest, das einst dem Ältesten gehört hatte.
Am nächsten Morgen, als er wie gewöhnlich in Richtung des klaren Sonnenganges schwamm, näherte sich der Neue an ihn. Doch genauso schnell, hatte er sich zwischen seinen Eltern eingekuschelt.
Jeden Morgen, schlich er sich von hinten näher an den Alten, doch wenn er seinen Hals drehte, tauchte der Kleine unter die Lotuspflanzen.
Am achten Tag, als sich der Himmel schon früh mit Wolken bemalt hatte, fragte der Junge den Alten: “Spürst du dieses Ziehen ins Innere des Flusses auch?”
Seine Miene war so ernst, als hätte er noch nie im Leben gelacht.
Der Alte hatte darauf keine Antwort, einst, weil er sich so eine Aussage nicht von einem achttägigen Schwan erwartet hätte. Zweitens wusste er keine Antwort. Er spürte nur den friedlichen Fluss um sich herum.
An diesem Abend kam der junge Schwan zum Nest am anderen Ende des Flusses.
“Es gibt schlechte Nachrichten, die uns die Wolken im Mondlicht herbeibringen.”
Dies behauptete er. So schnell er die Botschaft auch gebracht hatte, so schnell war er weg. Was könnte dies wohl bedeuten? Etwa ein Unwetter?
Doch wie konnte so ein junger Schwan nur so etwas behaupten. Und konnte es stimmen?
Der Alte zweifelte und rätselte bis es kam. Das Unwetter. Als erstes fühlte er eine kleine Brise auf seinem weißen Geflügel. Doch schon nach ein paar Minuten erwischten ihn die ersten Regentropfen. Es wurde rasch kalt und der Alte suchte, fast weinend, Schutz. Das Wasser war zum wildesten Ozean geworden und sein Nest, konnte er gleich schon vergessen. Warum hatte er das keinem weitererzählt? Wer ist denn nur so dumm?
Er suchte nach seinen Mitbewohnern, die jedoch nicht zu finden waren.
Nach einer Dreiviertel Ewigkeit, durch den Sturm kämpfend, fand er sie. Er fand den Jungen mit seiner Mutter und drei anderen. Nach einiger Zeit hatte sich der Sturm so langsam gelegt.
Der Alte fand sich mitten im Kreis wieder, den die restlichen Schwäne um ihn gebildet hatten. Schwane sind keine Rudeltiere, doch die auf dem grünen Fluss wollten niemanden verlieren.
„Nach jedem Sturm kommt ein Regenbogen.“ Meinte das Junge weise.
„Was meinst du damit?“
Die Tage danach machte er ähnliche Aussagen.
Seine Letzte lautete: „Ohne Ende, gibt es keinen Anfang“
Am nächsten Morgen, als der Alte durch den verwüsteten Wasserpfad schwamm, war die Mutter alleine, ohne ihr Junges, ohne ihren geliebten. Es war verschwunden. Es war weg. Als der Alte sich zurück in sein neu aufgebautes Nest beeilte, kam etwas unerwartetes: Das Nest war besetzt. Der neue Besitzer sagte seinen Berühmten Satz, jedoch ein wenig anders: „Nach dem Anfang, folgt das Ende.“
Laura
